Veranstaltungen

Möchten Sie diese Veranstaltung wirklich löschen?
Möchten Sie diese Veranstaltung freigeben?
Veranstaltungsreihe: Mosse-Lecture

"Fortsetzung folgt ... Formate des Seriellen in den Künsten und Medien"

Im Rahmen der Mosse-Lectures zeigen die beiden Vortragenden Rainald Goetz und Diedrich Diederichsen, dass die Ritualisierung der Alltagswelt im Serienformat mehr schaffen kann als nur Affirmation.

Termine

Do., 03.05.2012 19:00 Uhr

Standort

Hauptgebäude
Gibt allein das Individuelle und Einzigartige Auskunft über künstlerische Originalität? Daneben wurde seit „1001 Nacht“, aber mehr noch seit den erfolreichen Fortsetzungsromanen  des  19. Jahrhunderts, Charles Dickens' "Pickwick Papers"  oder Eugène Sues  „Mystères de Paris“, die zeitlich gestaffelte Darbietungsform der Serie populär. Darin wird die einzelne Erzählung zu einer Variation, eingefügt in ein narratives Muster, bei dem Anfang und Ende durchaus zufällig und ungewiss sind. Die „Ästhetik der Serie“,  wie sie Umberto Eco ins Spiel gebracht hat, umfasst dabei mehr als den Zeitgeist von industrieller und medialer Reproduktion, von statistischer Wahrscheinlichkeitsrechnung und Digitalisierung. Nicht nur die Variante, sondern die Variabilität selber, die regulierte Unregelmäßigkeit schafft ästhetisches Vergnügen: In der Wiederholung ist die Differenz zu entdecken. Gewiss fordern und fördern die narrativen Serienformate der soap operas und telenovelas den Konsumismus, wenn die auf Dauer gestellte Serie von Fall zu Fall den misslichen Alltag kompensiert. Die Ritualisierung der Alltagswelt im Serienformat kann jedoch mehr schaffen als nur  Affirmation. Der „rhythm of being“, von dem Gertrude Stein einmal gesprochen hat, lässt sich als fortgesetzte Vergegenwärtigung verstehen: als Lust an   Entdeckungen im Immergleichen.

In den Mosse-Lectures des Sommersemesters 2012 soll das Prinzip des Seriellen in den Künsten und Medien neu zur Anschauung und zur Sprache gebracht werden: in den Erzeugnissen des sog. Quality TVund mit einem zweiten Blick auf bewährte und experimentelle Muster und Bauformen des Seriellen in Literatur und Kunst.

Diedrich Diederichsen
Professor für Theorie, Praxis und Vermittlung von Gegenwartskunst an der Akademie der bildenden Künste in Wien, Kulturjournalist, Kunst-, Literatur- und Musikkritiker, zuletzt erschienene Buchpublikationen u.a.: Musikzimmer. Avantgarde und Alltag (2005), Eigenblutdoping. Selbstverwertung, Künstlerromantik, Partizipation (2008), Kritik des Auges. Texte zur Kunst (2008).

Rainald Goetz
Nach der doppelten Promotion in den Fächern Geschichte und Medizin Autor von Theaterstücken, Romanen, Musikalben, Blogs, Internet-Tagebüchern und Essays, in denen u.a. Stoffe aus der Psychiatrie (Irre, 1983), der Wissenschaft (Kontrolliert, 1988), der Technobewegung (Rave, 1998), der Zeitgeschichte (Krieg, Festung 2003) und Kunstszene (Jeff Koons, 1982) verarbeitet werden. Auf das in Buchform publizierte Online-Tagebuch Abfall für alle (1999) folgten als Audio CD und Tagebuchessays veröffentlichte Blogs der „Nullerjahre“ (Klage, Loslabern, Schlucht, 2008, 2009), Berliner Literaturpreis (2012) Ein neuer Roman Johann Holtrup ist angekündigt.


Weitere Informationen

Veranstalter: Institut für deutsche Literatur
Referenten: Rainald Goetz / Diedrich Diederichsen (Berlin und Wien)

Zur Website der Veranstaltung

Kontakt

Dr. Elisabeth Wagner
Telefon: 2093-9777
Fax: 2093-9607
elisabeth.wagner@hu-berlin.de

Adresse

Unter den Linden 6
Raum: Senatssaal

Weitere Termine der Reihe